Nach meiner Rückkehr aus Canada Ende August war ich ganz schön leer. Kennt ihr das Gefühl, wo man einfach in der Gegend herumliegt, zuviel Cafe trinkt, sich die selben Filme das dritte Mal anschaut und das Essen immer so einladend ausschaut?
Genauso ist es mir ergangen, und ich habe ehrlich gesagt nicht dagegen angekämpft. Ganz im Gegenteil. In der Hoffnung daß sich die Motivation schon melden wird, habe ich mich blendend erholt. Und eines Morgens war es dann tatsächlich so, ich wusste ich muss wieder raus, Klettern!
Mit Elias aus Döbriach und Sebastian aus Malta war dann schnurstracks ein Gardasee Trip ausgemacht. Mit den beiden jungen Cracks verstehe ich mich extrem gut, und obwohl wir ein 6a – 7a – 8a Rotpunkt Niveau Gefälle haben, sind unsere Trips immer irre cool! So auch dieses Mal. Wir packten meinen Bus voll und schon ging es ab Richting Südwest.
Wir sind dann 10 Tage in Arco geblieben, und es war für mich ein richtiges Trainingslager. Ich war ja 3 Monate nur Bergsteigen, bzw. Alpin unterwegs und Rißklettern in den USA. Da hat es mir auf den Leisten des Sarcatales natürlich die Ärmel gleich anständig aufgeblasen! Naja, also die ersten Tage waren schon ziemlich bitter, denn meine Kraftausdauer hatte ich definitif über dem Atlantik, irgendwo zwischen dem Starbucks in Squamish und dem Tacko Laden in San Francisco liegen gelassen.
Aber dank der super Stimmung in unserer Crew war das nebensächlich. Mir wurde besonders auf meinem Geburtstag, als wir in der Pizzeria Pace in Arco saßen bewusst, daß die Kletterschwierigkeit nur ein kleiner Teil der Faszination Klettern ist. Viel mehr als über die deutliche Steigerung bei den Schwierigkeitsgraden, habe ich mich über das Beisammensein und Blödeln mit meinen Freunden gefreut.
Sebe hatte mit seinem Wampen zu kämpfen, den er sich in einem Jahr Arbeiten in Irland hartnäckig mit Unmengen von Guiness und fettem Essen antrainiert hatte. Ja und Elli, der war wie immer so gemütlich unterwegs daß er nicht nur meine Einladungen zum Laufen und Dehnen in der Früh lächelnd ablehnte. Wenn es beim Klettern mal etwas schwieriger wurde, packte er sein breitestes Grinsen aus und ließ sich ins Seil fallen. Wie könnte man den Oberchiller da aber böse sein?
Ich bin jedenfalls inspiriert von den guten Seiten der beiden Jungs, der positiven Einstellung, der Weltoffenheit, ihrer Toleranz und dass sie mich umgekehrt so respektieren wie ich einfach bin.
Mit dem Versante Sud Führer machen wir uns zu einigen Gebieten in den „Judikarischen Tälern“ auf, die alle von Sarche aus Richtung Madonna liegen. Super schöne, teils entlegene Gebiete, ohne Leute, richtig klasse.
Dann düsen wir über den Brenner ins Zillertal, wo wir noch einige Tage anhängen. In den ewigen Jagdgründen klettern wir viele der leichten Klassiker, und ich knipse auch einige Linien bis 7b+ ab, wie „Manitou“. Mein eigentliches Ziel ist aber, michmal mit der „Bachhexe“ 8a+ vertaut zu machen. Zweieinhalb Wochen vorher war ich ja mit der Caro Opp und dem Richie von Rocktechnology ja schon mal hier, und habe diesen Mega Klassiker schon versucht. Wie viele andere Kletterer wohl auch komme ich also an diesem Tag bis zur Schlüsselstelle (bis dahin so 7b+ / 7c), um mit großer Hartnäckigkeit am Ausstiegsboulder abzutropfen. Der ist ganz schön kernig, und ich musste mir eingestehen, daß ich keinen Meter hatte die Stelle zu ziehen. Will da ich jemals rauf, muss ich ein ganzes Stück fitter werden, und vor allem mehr Boulderstrom mitbringen, das war mir klar.
Wieder retour im Maltatal ging ich dann das erste Mal in den relativ neuen Sektor „Fittness Center“. Weil ich wusste, daß viele der Touren leider geschlagene Griffe haben, vermied ich das Areal bis dato. Um mir aber ein bild machen zu können, ging ich dennoch hin.
Von den 15 Routen die ich vorgefunden habe waren dann grade mal 6 ohne geschlagene Griffe. Diese habe ich alle gut befunden, wobei mir die beiden Linien von Markus Pucher, ein Projekt und eine 7b besonders gut gefallen haben.
Die künstlichen Routen sind, besonders in dieser Form (die meisten braucht man gar nicht bzw. wären die Linien ohne Griffe halt richtig lässige, schwere Projekte geworden), aus meiner Sicht abzulehnen. Das Schlagen von Griffen hat damit im Maltatal Einzug gehalten. Die Problematik dabei besteht aus meiner Sicht insbesondere darin, daß der Erschaffer der Routen, Markus Steiner aus Gmünd, dies als sein gutes Recht ansieht, und mir gegenüber gemeint hat, „ich kann machen was ich will!“. Leider hat er dann vor Ort eine direkte, konstruktive Diskussion durch Beleidigungen und Schweigen vermieden.
Schade, denn alle anderen Erschließer – so unterschiedlich wir auch sind – haben sich doch immer gemeinsam zum Wohle der Entwicklung zusammengerauft, und immer einen vertretbaren Nenner gefunden. Meiner persönlichen Ansicht nach, ist das Verhalten von Marks Steiner sehr intollerant und kontraproduktiv. Zudem lässt er den Respekt gegenüber all jenen Erschließern vermissen, welche das Maltatal erst zu dem gemacht haben, was es heute ist.
Erfreulicher war dann schon das gemeinsame Klettern mit Lara und Irina aus Köln. Sie sind ja die vollen Fans vom Maltatal und gemeinsam klettern und fotografieren wir in diesem Sektor dann, wobei mir erfreulicher Weise eine 7c onsight und eine 7b+ im flash gelingt. An einer 7c+ scheitere ich bei extrem kalten Bedingungen nur knapp.
Als der Schnee immer weiter gegen den Talboden kommt, ist es Zeit nochmals gegen Süden aufzubrechen. Mit Martin Gumpold, einem Freund aus der Steiermark geht es für 14 Tage nach Kalymnos. Aber davon könnt ihr bald in einem eigenen Beitrag lesen!
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